Es ist verdammt hoch

3500 Meter machen sich dann doch bemerkbar - kurzatmig krieche ich durch die Straßen von Cusco, begleitet von Kopfschmerzen und Müdigkeit. Aber man hat mir versprochen, es gehe nach wenigen Tagen weg.
Heute fing mein Spanischkurs an. Na, ob mir 6 Stunden täglich wirklich gut tun, kann ich noch nicht sagen, aber ich gehe davon aus. Auf jeden Fall schwirrt mir der Kopf gewaltig und obwohl es hier noch nicht 20 Uhr ist, werde ich bald schlafen gehen...
Spannend und aufregend ist es allemal, die Peruaner, die ich so kennen lerne genauso wie die Mitschüler hier in der Schule.
Jetzt aber fix Vokabeln lernen... Bis bald, hasta luego

Ein wenig versöhnt mit Lima

Der Samstag in Lima war wie eine kleine Wiedergutmachung. Ich besuchte die prekolumbianische Ausgrabungsstätte Huaca Pucllana in Mirafolres. Eine religiöse Stätte, die von den „Menschen von Lima“ im 5. Jahrhundert vor Christus errichtet wurde. Neben der imposanten Ziegelkonstruktion gab es auch Lamas, Alpakas, Meerschweinchen und einheimische Pflanzen zu sehen.

Im Anschluss unternahm ich noch einen Spaziergang durch den ältesten Olivenhain des Kontinents, eine wahre Oase, in der natürlich kleine Brunnen und Marienbilder nicht fehlen dürfen. Kein Wunder, dass sich hier die Oberschicht ansiedelt.
Mein Weg führt mich zurück an die Steilküste und stolz kann ich verkünden, dass ich doch nicht jedes Risiko mitnehmen muss und so auf einen Paraglidflug verzichtete, obwohl der Ausblick über die Steilküste unglaublich sein muss.
Mein langer Spaziergang führte mich dann zurück in mein Hostel, wo ich für die letzte Nacht in das Dorm gezogen war. Nun, wir waren nur zu zweit, deshalb war die Nacht in Ordnung, aber es gibt in dem Zimmer 12 Betten, ich will nicht wissen, wie es sein muss, wenn der Laden voll sein sollte…
So kann ich denn sagen, dass Lima zwar nicht wirklich meine Stadt geworden ist, aber nach diesem schönen Tag kann ich doch etwas wohlgesonnener auf die „gelbe“ Stadt schauen.
Heute Morgen holte mich dann pünktliche mein Taxi ab und nun sitze ich im Zimmer bei meiner Gastfamilie. Die Leute scheinen sehr nett zu sein und ich bin gespannt, wie sich die nächsten zwei Wochen entwickeln. Gleich begleitet mich die Gastmutter, eine Dame von über 70 Jahren, zu meiner Schule, wo eine Einführungsveranstaltung statt finden wird und ab morgen heißt es dann: lernen, lernen, lernen…


Lima vs Anja = 1:0

Nachdem ich meinen Jetlag ausgeschlafen hatte, machte ich mich voller Elan auf, das historische Zentrum Limas zu erkunden. Auch wenn mein Spanisch kaum existent ist, erreichte ich mit dem Bus das geplante Ziel. Nun ist Busfahren hier ehr ein Abenteur als eine gesittete Fahrt, aber Spaß hat es dennoch gemacht.
Mein erster Weg führte mich zum Plaza Mayor oder Plaza de Armas, die Stelle, an der Lima gegründet wurde. Der Platz ist beeindruckend, der Präsidentenpalast und eine große Kathedrale beherrschen das Bild, Springbrunnen und Grünflächen ergänzen es.
Der Zufall wollte es, dass ich pünktlich zu Wachablösug am Präsidentenpalast war, eine Mischung aus ehrerbietende Machtdemonstration und etwas Lächerlichkeit...die Soldaten spielen in rot-blauen Uniformen in einer Brass Band, von Klassik bis Dixie war alles dabei. Gesichert durch einen hohen Zaun und einem Großaufgebot der Polizei, begafft von einem Haufen Schaullustiger.

Die Kathedrale und das Kloster San Francisco demonstrieren dann die religöse Macht. Sakraler Prunk vom Feinsten, wenn auch wirklich schön.
Beeindruckend, wie die Kirche es schaffte, den Katholizismus so stark in die Köpfe der Menschen zu bringen, auch heute noch sind die Peruaner ein sehr gläubiges Volk, überall sieht man Menschen, die sich vor Kirchen und Marienbildern bekreuzigen.
Aber wie immer hinterlässt all dieser Prunk bei mir einen bitteren Beigeschmack, besonders hier in Lima, wo an jeder Ecke bettelnde Kinder sitzen.
Bei der Führung durch San Fransisco traff ich Anna, eine Münchenerin, die für ein Auslandsmonat ihreres Medizinstudiums hier in Peru ist. Mit ihr erkundete ich ein Museum, im dem alte prekolumianische Artefakte ausgestellt waren. Wunderschöne Zeugnisse einer untergegangenen Kultur.
Der anschließende Besuch des Zentralmarktes und Chinatowns war dann zu zweit wesentlich angenehmer, nicht dass es wirklich gefährlich ist, aber Lima zeigt hier doch ein anderes Gesicht, als das in dem Turibezirken.
Mit Anna fuhr ich dann zurück nach Miraflores, eine abgasgeschwängerte Geduldsprobe durch den Berufsverkehr.
Und dann kam das dicke Ende... Obwohl ich in Peru und nicht in Mexiko bin, ereilte mich Montezumasrache... die Nacht verbrachte ich im Bad und war unglaublich froh, mich für ein Einzelzimmer mit Bad entschieden zu haben.
Der heutige Tag war also dementsprechend schlaff, ich hoffe, die Rache ist vorbei, ernähre mich aber vorsichtshalber von Salzstangen und Zwieback. Das heutige Highlight war der Kauf eines Weckers, was mich bereits große Anstrengung gekostete, aber hoffentlich mich nun weckt, wenn ich ihn brauche.
Ihr merkt, Lima bekommt mir nicht so gut, doch ich will nicht unter den Tischen fallen lassen, dass es wunderschöne Ecken gibt, beeindruckende Gebäude und freundliche Menschen... trotzdem freue ich mich auf meine Weiterreise am Sonntag nach Cuzco.

Abreise und Ankunft

Gibt es den Moment, an dem man einfach einschläft? Vermutlich werde ich gleich mit dem Gesicht in die Tastatur kippen - nicht über den Buchstabensalat wundern.
Mein Abschied aus Köln war eine Achterbahn der Gefühle:
Vorfreude, Angst, Traurig, Aufregung und Spannung.
Den letzten Abend verbrachte ich im Kreis lieber Menschen in einem der schönsten Biergärten Kölns, vermutlich am letzten schönen Sommerabend in diesem Jahr?! Falls es anderes ist, lasst es mich wissen.
Der Dienstag dann verlief chaotisch, auf den letzten Drücker die Wohnung Übergabe bereit gemacht, die letzten Klamotten gewaschen und den Rucksack gepackt... das Gefühl, nicht fertig zu werden war die ganze Zeit in meinem Nacken, doch völlig unbegründet - es reicht noch für einen Einkaufsbummel und ein gemütliches Abschiedsessen beim Thai.
Robert, Danke!
Dann ging es los, mit dem Zug von Köln nach Frankfurt, ein wirklich gruselig langweiliger Flughafen! Lediglich die rasent schnelle Zugfahrt dorhin sei erwähnenswert. Die Details des Flugs erspare ich euch, über 12 Stunden bis Sao Paulo und dann noch 5,5 bis Lima... und über all striktes Rauchverbot - was soll ich dazu noch sagen?!
Hier angekommen hielt ich mich an den Tipp, die sicheren "green taxis" zu nehmen, das rechtfertigt auch die folgende Geschichte, vorne weg, alles ist gut gegangen.

Mein Taxifahrer quetschte mich von der ersten Sekunde an aus, und das auf Spanisch... nun, irgendwie gab ich ihm wohl zu verstehen, dass mir das peruanische Nationalessen (roher, eingelegter Fisch - wirklich lecker!)schmecken würde - und eh ich mich versah, hielen wir vor einem typisch einheimischen Restaurant. Nun, was soll ich sagen, meine Müdigkeit und der Hintergedanke, wirklich ein sicheres Taxi genommen zu haben, brachte mich dazu, dass ich mit dem Herrn meine erste peruanische Mahlzeit einnahm... vielleicht gewagt, aber großartig!
Auf dem Weg zu meinem Hostel versuchte er mich dann noch davon zu überzeugen, in einem anderen Backpacker abzusteigen - vermutlich hatte er recht, aber da siegte dann doch meine Vorsicht.
Mein Zimmer ist "ok", vor allem ist es leise, ich habe es für mich alleine und hab ein eigenes Bad, der Preis jedoch ist für Lima schon recht hoch... und auch für das, was geboten wird. Nun, dafür sitzte ich grade ganz alleine im Garten, habe Internetzugang und werde gleich hoffentlich gut schlafen.
Von Lima habe ich bisher nur einen kleinen Einblick vom Stadtteil Miraflores bekommen - es soll der schönst hier sein... ich freu mich jetzt schon auf meine Weiterreisen... laut, Autos, laut, stinkig, laut, hab ich was vergessen, ach ja... laut.
Leider bin ich aber auch viel zu müde und noch extrem unsicher - solbald das nachlässt, werde ich genießen!
Ihr lieben Daheimgebliebenen, vielen Dank für die sms, die schnellen Kurzbesuche und die tollen Telefonate, ich halte euch auf dem Laufenden, hasta luego!

Peruanisches Sushi - köstlich, auch nach 30 Stunden wach!
Peruanisches Sushi - köstlich, auch nach 30 Stunden wach!