Von 0 auf 31 in 17 Stunden.

30.10.2009 Santiago de Chile

Die Insel der Hexen und Hexer zeigte sich von ihrer unfreundlichen Seite. Es regnete fast ununterbrochen und der Nebel küsste den Boden.
Dafür war das Hostel aber sehr gemütlich und es gab tatsächlich eine richtige Espressomaschiene! Unglaublich aber war, es ist eine echte Herausforderung hier guten Kaffee zu bekommen. Alle trinken diesen grauenhaften Nescafe und es gibt einfach kaum eine Cafékultur. Komisch, da uns doch die Werbung weiß macht, Südamerika sei ein Kaffeeparadis. Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch, nur wird fast der ganze gute Kaffee in den Export gegeben und nur wenig bleibt für den eigenen Kontinent.
So verbrachte ich die Zeit Kaffee trinkend am Kamin und versuchte Vokabeln zu lernen.

Nichts desto trotz machte ich mich mit Regenjacke und wasserfesten Stiefeln auf, die Insel zu erkunden.
Die bunten Pfahlhäuser leuchteten auch durch das miese Wetter und zeigten, dass die Insel durchaus Charme und Mystik besitzt.
Große Holzkirchen, wie diese hier in Anchou, beherrschen die Dorfplätze.
Die kleinen Gassen und Straßen mit Holzhäusern und winzigen Gärten geben jeder Ecke ein unverwechselbares Gesicht und so wurde der Chiloé-Besuch trotz der Kälte und des Regens ein kleines Highlight.

Bei dieser geballten Kirchenpräsenz und dem kalten Regenwetter ließ sich nun leider keine eizige Hexe und kein einziges Fabelwesen blicken.
Dafür traf ich viele Reisende, die aus Patagonien kamen und ins Schwärmen über diesen Landstrich gerieten.
Was zu Folge hatte, dass ich mir heute ein Ticket für die 4tägige Schiffspassage von Puerto Montt nach Puerto Natales für Mitte November gebucht habe.
Chiloé verließ ich dann bei gefühlten 0 Grad und wieder saß ich eine kleine Ewigkeit im Bus. Ganze 17 Stunden rumpelte ich wieder gen Norden um dann am Vormittag in Santiago anzukommen - bei 31 Grad.
So bin ich gut auf meinen morgigen Flug zur Osterinsel vorbereitet. Ich hoffe, es wird warm und sonnig.
Dann also die nächsten Neuigkeiten von Rapa Nui!

Fast wie zu Hause, besonders das Wetter!

25.10.2009, Isla Chiloe, Castro

Mein Weg aus Valparaiso führte mich im Nachtbus zunächst nach Valdivia. Der kleine Ort, 15 Kilometer vom Pazifik entfernt, liegt am Zusammenfluss zweier breiter Ströme mitten in einer wunderschönen Seenlandschaft.
Als Verteidigungslinie gegen die Mapuche, die indigene Urbevölkerung, verfügt die von den Spaniern gegründete Stadt über Wehrtürme und eine Stadtmauer, eine Seltenheit in Südamerika.
Aber selbst die starken Mauern und die Festigungsanlage in Niebla, einem nahen Küstenörtchen, konnten nicht verhindern, dass die Mapuche die Spanier bis über den Rio Bio Bio, knapp südlich von Santiago, zurück trieben. 1641 mussten die sonst so siegesgewöhnten Spanier diesen Fluss als Grenzlinie anerkennen und den Mapuche das südliche Chile zugestehen. Obwohl dieses Gebiet nicht völlig dem ursprünglichen Land entsprach, ein beispielloser Vorgang in der brutalen Kolonialisierung.
Erst 1861 geliederte das mittlerweile unabhängige Chile diesen Landesteil gewaltsam ein.

Ab 1870 wurde Valdivia dann besonders durch deutsche Einwanderer geprägt. Kein Wunder, dass es denen da gefallen hat. Die Landschaft ist grün und hügelig, überall grasen Kühe auf fetten Wiesen, große Wälder erstrecken sich kilometerweit, nur unterbrochen von Seen und Flüssen, das raue, fischreiche Meer ist direkt vor der Tür und... der Himmel ist bleigrau, es ist windig und kalt, immer wieder schüttet es wie aus Eimmern. Eben fast wie zu Hause.
Dafür ist es in den Holzhäusern sehr gemütlich. Im Ofen knistert das Holz und mit einem heißen Tee und einem guten Buch kann ich mich im Hostelwohnzimmer wunderbar von den nassen Ausflügen erholen.

Aber natürlich sieht es hier nur fast so aus wie zu Hause. Besonders die Tierwelt ist umwerfend, dicke Seelöwen liegen an den Flussufern, bunte Vögel kreischen am Himmel.
Und die Obstbäume stehen in voller Blüte im Oktober. Immer wieder wird deutlich, dass ich mich auf der anderen Südhalbkugel befinde, während wir vor 3 Wochen auf die Sommerzeit umgestellt haben, gilt in Deutschland ab heute die Winterzeit.

Heute ging es dann 7 Stunden südlich auf die Insel Chiloe. Die zweitgrößte Insel Chiles markiert den Norden Patagoniens und ist bekannt für ihre Mystik und Magie.
Ich bin gespannt, ob mir die ein odere andere Hexe begegnen wird.
Bei der Überfahrt mit der Fähre zeigte jedoch als erstes eine der knapp 150 Kirchen der Inseln, ob da wohl ein Zusammenhang besteht?
Der Süden hier fasziniert mich trotz des schlechten Wetters sehr, im Moment plane ich nicht, weiter nach Patagonien zu fahren, aber mal sehen was noch kommt.
Bis dahin genieße ich das prasselnde Kaminfeuer und schicke liebe Grüße aus dem Süden.

Ordnung oder Chaos?
Vina del Mar oder Valparaíso?

Valparaíso, 21.10.2009

Kaum 15 Minuten von einander entfernt zeigen die beiden Tochterstädte ein völlig unterschiedliches Gesicht.
Vina del Mar ist die saubere, aufgeräumte, schicke und teure Sommerfrische.
Ein edles Casino an der Strandpromenade, endlose Strände und teure Flaniermeilen, dazu Cafes, Restaurantes und Botiquen.
Vina del Mar ist einen Tagesausflug wert, auf den Hügeln der Stadt haben sich die reichen Chilenen schicke Anwesen gebaut und ein Spaziergang am Strand ist wunderschön. Der Sand brennt unter den Füßen, aber das Wasser des Pazifics ist so unglaublich kalt, dass kaum an ein Bad zu denken ist.

Wie anders mutet dann Valparaíso an. Die Hafenstadt ist chaotisch und laut, überall brummt das Leben.
Valparaíso ist von einer anderen Bevölkerungsgruppe geprägt. Hier leben viele, die unter der Diktatur Pinochets litten. Der Diktator, der 1973 die Macht im Land übernahm, wurde damals von der CIA unterstützt, da er als Gegner der Kommunisten ein willkommener Freund der USA war. Aber für viele Chilenen bedeutete er Verfolgung, Exil, Folter und Willkür. In der Zeit von 1973 bis 1989 verschwanden unzählige Menschen spurlos, viele mussten ins Ausland fliehen oder mit Verhaftung und Gefängins rechnen.
Noch heute spaltet diese Zeit die Chilenen, tatsächlich gibt es viele Menschen, die der Meinung sind, Pinochet habe mit seinem rigorosen Liberalsmus der freien Marktwirkschaft, vertreten durch die Chicago Boys um Freedman, die Ökonomie die Landes aufgebaut und Ordnung in dem heruntergewirtschaften Staat Salvador Allendes gebracht. Dass die Bevölkerung 1989 einen wesentlich geringeren Lebensstand als 1973 hatte und die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wurde, wird dabei häufig vergessen.
Bei der Beerdigung Pinochets, 2004, kam zu Ausschreitung und Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern des Mannes, der erst kurz vorher seine Immunität verloren hatte, die ihn davor geschützt hatte, für seine Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Das Thema "Pinochet" ist auf heute noch ein schwieriges.

So leben in Valpasaíso die Künstler, Schrifsteller und Maler. Sprich die alternative Szene.
Die Straßenzüge sind von buten Häusern geprägt, fast jedes Haus ist mit Graffiti bemalt. Die bunte Mischung aus Kunst und politischer Karikatur, Witz, Kritik und einfach nur Schönem machen die Spaziergänge durch die engen Straßen spannend und abwechlungreich.

Wenn einem dann das Treiben in den engen Gassen zu viel wird, schnappt man sich einfach einen Aufzug und flieht auf einen der unzähligen Hügel. Von dor kann man dann einen wunderschöne Aussicht genießen und nur spärlich dringt der Lärm in die Oberstadt.
Allerdings muss man sich hier ein wenig vorsehen, denn imm Gegensatz zum schicken Vina ist hier der obere Teil der Stadt nicht ganz so sicher und immer wieder kommt es zu Taschendiebstählen und anderen kleinen Delikten.
Mir ist zu Glück bisher nichts passiert, aber es ist wichtig immer auf der Hut zu sein.
Trozdem ist Valparaíso einfach gemütlich und anregend zugleich.

Nachdem ich nun einige Tage in Hostel Angel gefaulenzt habe, die Straßen der Stadt erkundet habe, köstliche Empanadas gegessen und guten Rotwein getrunken habe, habe ich mich heute entschlossen, doch noch die 10 Tage bis zu meinem Flug nach Rapa Nui zu nutzen und für morgen Abend eine Busfahrt nach Valdiva gebucht.
Die älteste Stadt Chiles, knapp 12 Stunden südlich von hier, wird hoffentlich einiges zu bieten haben.
Fotos von der "Sommerfrische".

24 Stunden gradeaus

17.10.2009, Valpariso

Gestern habe ich das wunderbar entspannende San Pedro verlassen.Der Besuch bei Elli und Lutz war wunderbar und ich konnte auftanken und mich auf den nächsten Teil meiner Reise vorbereiten.
Nochmal ein dickes Dankeschön!!!

Aus dem kleinen Wüstenort ging es um 13 Uhr Richtung Süden. Die Busfahrten in Südamerika sind fast alle gemütlich, mit einem "semi-cama", einem "halben" Bett, lässt sich auch eine lange Fahrt aushalten.
Auf dieser Busfahrt gab es sogar Erfrischungen, Sandwiches und Getränke.
Der Unterschied zwischen Peru, Bolivien und Chile lässt sich bereits an den Straßen fest machen. Auch wenn die Reise durch die Wüste geht, hier hat man fast den Eindruck, es sei die Autobahn.

Eine "Autobahn", die immer nach Süden führt... immer gradeaus. Endlos Sand und Steine. Endloser Himmel.
Nur hin und wieder zeigt sich Leben, oder was davon übrig ist, in Form von verlassenen Minenstädten, die der Zeit nicht trotzen konnten, oder winzigen Oasen.

Und dann, das Meer.
Die Landschaft hat sich über Nacht verändert. Grüne Hügel erstecken sich links und rechts der Straße, Nebel verhangen die sanften Hügel. Die Anden sind gewichen und das Land zeigt ein ganz anderes Gesicht.

Nach 24 Stunden Busfahrt habe ich das halbe Land durchquert. Das Klima hat sich verändert, die Luft ist kühl, die Menschen sind anders drauf.
Jetzt sitzte ich in einem netten Hostel und bekomme langsam wieder Lust auf die Reise.
Valparaiso kann also entdeckt werden.

Entspannen in der Atacama

Elli, Lutz und Chloe - Danke für die tolle Zeit in San Pedro!<br />
Laguna Cejar
Elli, Lutz und Chloe - Danke für die tolle Zeit in San Pedro!
Laguna Cejar

14.10.2009 San Pedro de Atacama

Nachdem ich jetzt schon über eine Woche die Gastfreundschaft hier genieße, wird es Zeit euch von meinen Erlebnissen zu berichten.
Auch wenn ich diese Woche überwiegend mit ausruhen und Erkältung auskurieren verbracht habe, so heißt das nicht, dass ich völlig untätig war.

Am Dienstag fuhren Elli und Chloe mit mir zu den Termas de Puritama. Die Gegend lässt von oben nicht vermuten, was für ein großartiger Wasserlauf sich im Tal verbirgt. Malerisch schön liegen die heißen Wasserbecken im hohen Schilf versteckt.
Es war wunderbar, in das warme Wasser einzutauchen und dabei von der Sonne beschienen zu werden.
Nun war ich in den vorangegangenen Wochen soviel Sonne gar nicht gewöhnt und holte mir prompt einen Sonnenbrand.
Trotzdem ein wirklich gelungener Ausflug.

Tages drauf genoss ich ein besonderes Privileg. Da Lutz für die ALMA arbeitet, konnte er mich mit an seinen Arbeitsplatz nehmen. Erst in einigen Jahren wird dies dem "normalen" Touristen möglich sein.
So konnte ich hautnah erleben, wie hier das größte Weltraumobservatorium der Welt entsteht. Unglaublich, wie genau die Antennen gebaut werden müssen, die dann auf über 5000 Meter Höhe in die Unendlichkeit des Alls horchen um dem Universum auf die Schliche zu kommen.
Selbst für mich absoluten Laien ein faszinierendes Unterfangen, das von verschiedenen Nationen hier in relativem Einklang realisiert wird. Wenn die sich noch im Bau befindliche Anlage fertig ist, sollen 500 solcher Antennen dem Anfang, und vielleicht auch dem Ende, unseres Universums lauschen.

Nun befinde ich mich in der trockensten Wüste der Welt, hier gibt es Gegenden in denen es nachweislich seit der Ankunft der Spanier keinen Niederschlag gegeben habt. Natürlich hat auch San Pedro mit Wasserknappheit zu leben und immer wieder wird uns das durch mangelndem Wasserdruck, oder nerviger, durch abgestelltes Wasser, bewusst, genauso, wie es immer mal wieder zu Stromausfällen kommt.
Aber das Leben in einer Oase ist bemerkenswert. Alle 18 Tage bekommt hier jedes Grundstück Wasser über kleine Kanäle. Das heißt: Der Garten wird geflutet.
Die zuvor staubtrockenen Felder verwandeln sich in minutenschnelle in kleine Teiche, ausgetrocknete Wasserläufe werden zu reißenden Bächen. Ein Fest für die Natur und ein ganz besonderer Spaß für die drei Hunde der Familie.
Nach dem Wasserfest verbrachten wir den Tag an der Laguna Cejar. Ein großer Salzsee. Leider wehte der Wind heftig und meine Erkältung tat ihr übriges um mich am Schwimmen im Salzwasser zu hindern.
Der Salzgehalt ist höher als im Toten Meer und die Mutigen, die sich in das kalte Nass stürzen, treiben wie Korken auf dem Wasser.

Der Sonntag hielt eine besondere Action für mich bereit. Wir zogen ins Valle de la Muerte. Vor uns lag eine riesige Sanddüne und... ein Snowboard.
Durch einen gefühlten Sandsturm stapfen wir also die Düne rauf, wie schön sind die Erinnerungen an Skilifte, und dann geht es abwärts.
Ein tolles Gefühl! Auch wenn ich keine Snowboarderin, geschweige den Sandboarderin bin, so macht es doch unglaublichen Spaß! Es ist warm, kein eisiger Wind weht einen von der Piste, höchstens das Gefühl gesandstrahlt zu werden. Die Stürze tun kaum weh, schließlich fällt man in einen warmen, weichen Sandkasten. Die Gaudi lässt die Anstrengung vom Aufstieg schnell vergessen und ruckzuck fährt man die erste Sandpiste. Ja, ich bin nicht nur gestürzt.
Völlig erledigt, mit wenigstens einem Kilo Sand in den Klamotten, aber mit einem breiten Grinsen ging es dann zurück und glücklicherweise gab es heißes Wasser bei unserer Rückkehr.

Neben den erwähnten Wasser- und Stromausfällen, mit denen man hier in San Pedro leben muss, darf man auch nicht vergessen, dass es sich hier um ein kleines Dorf handelt. Knapp 500 Einwohner zählt der Ort, hinzu kommen mindestens genauso viele Touristen.
Die ruhige Abgeschiedenheit zeigt sich allerdings auch im Warenangebot und so fahren Elli, Lutz und Chloe einmal die Woche ins ungefähr 100 Kilometer entfernte Calama um dem Wocheneinkauf zu erledigen.
Auch wenn das Leben hier die ein oder andere Einschränkung bedeutet, so ist es doch herrlich, zu beobachten, wie die Zeit stehen bleibt. Der Plaza de Armas ist ein perfekter Ort um gemütlich einen Kaffee zu trinken und die Menschen zu beobachten. Die Einheimischen gehen in aller Ruhe ihren Geschäften nacht und selbst die Touristen entspannen und lassen sich die Sonne auf den Kopf scheinen.

Trotz aller Entspanntheit brach ich dann doch zu einer Haupttouristenattraktion auf: Valle de la Luna.
Das Tal hält, was der Name verspricht. Das Gefühl, auf dem Mond zu sein kann sich durchaus einstellen.
Die Touristengruppen erreichen nach einigen Fotostopps und einem kleinen Spaziergang durch unwirkliche Salzlandschaften, pünktlich zum Sonnenuntergang den "großen Krater". Umgeben von einer Vielzahl tatsächlicher, aktiver Vulkane ist in diesem Fall aber der Name bloß ein Name.
Die durch Wind und Wasser und Jahrtausende geformten Stein- und Sandformationen muten seltsam bizarr und fremd an. In der Dämmerung erscheint die Landschaft fremd und wundersam.

Der Abend endete in einer spannenden Konstellation: Ein argentinisch-deutsches Paar, eine weitere Argentinierin und ich beendeten den Ausflug mit einem Cerveza. Stolz kann ich berichten, dass ich halbwegs dem Gespräch folgen konnte, das auf Spanisch statt fand.

Nun wird es Zeit, den weiteren Teil meiner Reise zu planen. Lutz hat mir heute geholfen, einen Flug zur Osterinsel am Ende des Monats zu buchen und ich muss jetzt nur noch aus meiner Faulheit hoch und wieder Reiselust aufbauen.
Bilder zu meiner faulen Woche gibt es hier.

Sommergrippe im Oktober

09.10.2009, San Pedro de Atacama

Tja, längst wollte ich euch mit spannenden Neuigkeiten unterhalten, stattdessen nun dies... ich hab im Wüstenfrühling eine Erkältung.
Zum Glück bin ich hier bei Elli und Lutz sehr gut untergekommen und ich habe Zeit, mich in Ruhe auszukurieren.

Sobald ich wieder richtig fit bin, gibt es mehr - bis dahin, Grüße aus der Wüste.

Von der Wüste in die Oase

05.10.2009 San Pedro der Atacama, Chile

Noch bin ich keine 24 Stunden in Chile und schon hatte ich meine erste Chilenin auf dem Arm... aber vielleicht besser der Reihe nach.

Wo war ich stehen geblieben?

Von Sucre aus fuhr ich in die höchste Stadt der Welt: Potosi.
auf dem Weg dorthin fragt man sich unweigerlich, warum Menschen auf die Idee kommen in dieser Höhe eine Stadt zu gründen - 4060 Meter hoch, da wächst kaum ein Baum! Aber die Antwort ist wie immer einfach: Bodenschätze.
Der cerro ricco, reicher Berg, war einmal das größte Silbervorkommen des Kontinents. Unzählige Minen wurden in diesen Berg getrieben und noch heute arbeiten die Menschen dort unter unvorstellbaren Bedingungen um das Edelmetall abzubauen.
Seit der Kolonialzeit starben über 8 Millionen Menschen bei dieser Arbeit. Nun ist die Frage, wer diese Arbeit verrichtete, leicht zu beantworten - die indigene, unterdrückte Bevölkerung und zu diesem Zweck eingeschiffte, afrikanische Sklaven wurden unter unmenschlichen Bedingungen in diesem Berg geschickt um für die spanische Krone ihr Leben zu lassen.
Die Minen kann man heute besichtigen, leider hielt mich meine kleine Klaustrophobie davon ab, dies zu tun... wer mehr über das Leben dieser Mienenarbeiter wissen möchte, sollte sich den Film "Die Mine des Teufels", ein deutscher Dokumentarfilm, über der 14 jährigen Pedro, anschauen. Noch heute arbeiten über 800 Kinder in diesen Minen.

Potosi selbst zeigt, woran Bolivien heute leidet. Die Stadt gehörte einst zu den reichsten den Welt, ihr Silber bescherte Reichtum und Macht - heute ist die Stadt ein kleines Provinznest, die Münzprägung ist längst eingestellt - der Bolivano wird vom verhassten Nachbarn Chile herstellt. Bolivien ist ein extrem ausgebeutetes Land, doch mit der Unabhängigkeit vor 200 Jahren der erste unabhängige Staat in Südamerika und doch gilt das Land als krankes Herz Südamerikas, Vetternwirtschaft und Lethargie und das ständige "Schuld bei anderen suchen", lässt dieses reiche Land einfach nicht auf die Beine kommen.

Von Potosi ging es dann weiter nach Uyuni - ab in die Wüste. Über Schotterpisten rumpelte ich 6 Stunden im lokal Bus meinem staubigen Ziel entgegen.
Uyuni ist der Ausgangspunkt für Wüstentouren, mehr aber auch nicht...
Nach einer Nacht ging ich dann auch gleich auf eine 3tägige Tour.
In einem Jeep geht es mit 6 Mitreisenden plus Fahrer zunächst zu einem Zugfriedhof, neben der Stadt werden die ausgedienten Züge einfach auf das buchstäbliche Abstellgleis gestellt und harren nun dort Wind und Wetter... und dem Verfall. Wieder eine Metapher vom bolivianischen Zustand.

Dann geht es in die Wüste. Die Salar Uyuni ist eine riesige Salzfläche. Das weiße Mineral ist vermutlich das Überbleibsel eines Ozeans. Heute wird das Salz für die Tierzucht, Lecksteine, und zum Herstellen von Ziegeln abgebaut.
Mitten in diesem Salzozean liegt die Insel der Kakteen. Man bekommt tatsächlich den Eindruck, auf einer Insel in einem weißen Ozean zu sein.
Die Kakteen sind riesig und zum Teil über 900 Jahre alt.

Die erste Nacht verbrachten wir dann schlicht, aber sauber in einem "Salzhostel", gebaut aus den oben erwähnten Salzziegeln, selbst der Boden war mit Salz bedeckt und die Betten aus Salz gebaut. Dennoch schlief ich tief und fest.

Der zweite Tag führte mich durch dadaistische Landschaften. Felsformationen, die an die Bilder von Dali erinnern und jede Menge Sand, Steine und Geröll. In der Ferne kann man rauchende Vulkane sehen, vor einem grasen Lamaherden und in den schwefelhaltigen Lagunen schnattern unzählige Flamingos.
Die Natur in biete tatsächlich atemberaubende Ausblicke.
Die Temperaturen schwanken zwischen Tag und Nacht enorm - die Sonneneinstrahlung bei den bis zu 5000 Meter hohen Andenrücken ist heftig, Sonnencreme, Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung unerlässlich, trotzdem weht ein kalter, starker Wind.
Die nächste Nacht verbrachten wir "basic", das Hostel liegt an einer weiteren Lagune, wieder werden die Reisenden in 6 Bettzimmern untergebracht, doch diesmal gab es nicht mal Laken und von fließendem, gar warmen, Wasser konnte nicht die Rede sein. Genau dieses lauschige Plätzchen suchte ich mir also aus, um meine zweite Magenverstimmung auszuleben... und das bei Minusgraden.
Doch die Landschaften, Menschen und Tiere, die man hier zu sehen bekommt, entschädigten mich für diese sehr lausige Nacht.

Übermüdet und mit Übelkeit ging es für mich am nächsten Tag weiter. Zunächst besichtigen wir heiße Quellen, der Schwefelgeruch, der in der Luft hing, tat mir zwar nicht gut, dennoch zeigen die Geysire welche Kraft in der Erde schlummert und nur darauf wartet, ausbrechen zu können.
Das anschließende Bad in einer der heißen Quellen ließ dann auch endlich die Kälte und die Müdigkeit verschwinden. Das warme, mineralhaltige Wasser tat so gut, dass ich kaum wieder in die kalte Luft klettern wollte, aber die Vernunft siegte dann doch.
Die Fahrt ging dann noch zu einigen Lagunen und endete für mich in der Mitte von Nirgendwo - der Grenze zu Chile.
Die Fahrer lassen einen an der Grenze hier raus und die Weiterreisenden werden mit chilenischen Bussen in das 50 Kilometer entfernte San Pedro de Atacama gebracht.
Sofort zeigt sich der Unterschied zwischen den beiden Staaten. Die Einreise nach Chile erfolgt in San Pedro, in dem modernem Gebäude werden die Taschen gescannt, Früchte und andere Lebensmittel dürfen nicht eingeführt werden. Dann gibt es den Stempel in den Reisepass und schon ist man in einer anderen Welt.
San Pedro ist ein wunderschönes, verschlafenes Dorf, das allerdings von Touristen übervölkert ist und darum nicht ganz billig.
Ich allerdings genieße einen unglaublichen Vorteil auf dieser Reise:
Ich bin bei Freunden! Elli und Lutz haben mich unglaublich herzlich willkommen geheißen. Die deutsche Familie wohnt seit über einem Jahr hier in San Pedro, seit 3 Monaten mit ihrer kleine Tocher, Chloe, die junge Chilenin, die ich ja schon erwähnt habe.
Der warme, freundliche Empfang und die Gastfreundlichkeit, mit der ich empfangen wurde, lassen die Anstrengung der letzten Tage in Vergessenheit geraten. Zufrieden sitze ich hier im Garten und bringe euch auf den neusten Stand.
Jetzt freue ich mich auf die Erkundung von San Pedro und der Atacama und werde euch bald davon berichten.