Bolivien, etwas ausführlicher

Blick auf La Paz
Blick auf La Paz

28.09.2009 Sucre, la ciudada balanca

Heute habe ich mir einen Tag Ruhe gegönnt, die Reise über hohe Andenpässe, durch verschiedene Temperaturen und das Schlafen in billigen Hostels fordert einfach zwischendurch eine Pause. In meinem Hotelzimmer schaue ich DW-TV, ich weiß also, was ihr euch da zusammen gewählte habt, und genieße ein Glas bolivianischen Rotwein, der einfach unterschätzt wird.
Dennoch will ich euch ein update über die letzten Tage geben.

Von Copacabana aus genoss ich einen Ausflug auf die Isla del Sol. Eine Insel im Titicacasee, die als Geburtstätte der Inka gilt. Die Insel bietet wunderschöne Wanderwege, und sogar ich habe mich dazu hinreißen lassen, 4 Stunden lang rauf und runter zu kraxeln und die Aussichten zu genießen. Die Ausflüge sind bemerkenswert und günstig, dummerweise haben sich die bolivianischen Gastgeber nicht im “Griff” und auf dem Weg finden sich ständig “Checkpoints”, an denen kleine Beträge als “Eintritt” verlangt werden. Auch die Fußabdrücke, an denen die Sonne ihrer Kinder, die ersten Inka, auf die Erde gelassen hat, sind nicht wirklich zu sehen. Trotzdem ein lohnenswerter Tagesausflug. Auch der kalte Abend verlief in angenehmer Weise, obwohl die Nächte in dieser Höhe wirklich kalt sind und eine warme Dusche leider selten ist. Dazu kommt, dass die südamerikanische Küche entgegen aller Hoffnungen, kaum Gewürze kennt und mich mit meinem Geschmacksbedürfnis ganz schön alleine lässt.
Aber wieder zeigt sich, wie “Alleinreisende” zusammen halten und wie gut tut es, auf Menschen zu treffen, die schon vorher die Wege kreuzten.

So machte ich mich mit einer schweizerischen Mitschülerin aus Cusco am nächsten Tag an La Paz auf. Eine unglaublich lebendige Stadt mitten in den Bergen. Die Stadt ist bemerkenswert aber auch ein wenig ängstigend und ich war froh, Begeleitung zu haben. Die Stadt selbst zeigt, was in Südamerika erwartet wird, kolonialer Baustil, heruntergekomme, abgerissene und noch nicht wieder aufgebaute Straßenecken, Märkte, Bettler, Kirchen und Chaos. Wunderschön und lebendig und für mich spannender als alles, was ich bisher erlebt habe.
In La Paz zeigt sich eine wilde Religionsmischung. “Katholischer Inkaglaube” ist auf dem “Hexenmarkt” zu sehen. Die meisten Menschen in dieser Region sind gläubige Katholiken, praktizieren aber gleichzeitig noch uralte Inkariten. Opfergaben in Form von Süßigkeiten, Cocablätter, getrockneten Tierkadavern und stilisiertem Reichtum werden auf den uralten Opferaltären dargeboten.

Nach 2 Tagen ging es für mich weiter nach Sucre, die zweite Hauptstadt Boliviens. Der Nachtbus brachte uns in 12 Stunden in die weiße Stadt. Sucre gilt als die best ausgebildete und “spanischste” Stadt Südamerikas. Es ist tatsächlich wunderschön. Die Straßenzüge sind renoviert und schön, die Menschen zufrieden und es zeigt sich die Armut weniger, als in anderen südamerikanischen Städten.
Aber Sucre ist geteilt und gilt als rassistisch, Sucre ist spanisch und reich, die Stadt möchte gerne den reichen Stand halten, zeigt aber klar, dass hier nur reich werden kann, wer eine spanisch/europäischen Herkunft hat. Die indigene Herkunftsgesellschaft erledigt hier die niedern Arbeiten und die Bettler kommen aus dieser Bevölkerungsgruppe. Hin- und Hergerissen fühle ich mich dennoch wohl.
Morgen nun will ich nach Potosi, die höchste Stadt in Südamerika, ein Zeugnis konquistatorischer Katastrophen: Silbermienen, die mit der Hilfe der indianischer Urbevölkerung, die bis aus Blut und den Tod, leidern musste, ausgebeutet wurde.
Ich bin gespannt und neugierig auf neue Einblicke. Ich halte euch auf dem Laufenden, bis bald!
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Bolivien - Kurzinfo

26.09.2009, La Paz

Mittlerweile bin ich in der boliviansichen Hauptstadt. Eine unglaubliche Metropole hoch in den Anden - La Paz ist mit die höchste Hauptstadt der Welt und liegt zwischen schneebedeckten 6000endern in einem engen Tal. Ungelaublich, wie viele Menschen hier leben, mich persönlich fasziniert diese lebendige Stadt mehr als die Inka-Ruinen, am Ende eben doch nur Steine, oder der Titicacasee, am Ende eben doch nur Wasser.
Spass beiseite, das Dorf Copacabana, ja, das ist das ursprüngliche, Brasilien hat den Namen gestohlen!, am Titicacasee und die Isla del Sol, angeblich die Geburtstätte der Inka, sind wirklich wunderschön.
Leider ist die Internetsituation in Bolivien nicht so dolle, darum müsst ihr heute auf einen ausführlichen Bericht mit Fotos verzichten, aber ich reiche ihn schnellst möglichst nach.
Heute Abend geht es weiter in die "ciudad blanca", Sucre. Von dort dann hoffentlich mehr, geniesst das Wochenende!

Titicacasee, ja so heißt der nun mal.

21.09.2009, Puno

Von Samstag auf Sonntag bin ich mit dem Nachtbus von Cusco nach Puno gefahren. Puno ist der Ausgangpunkt für die meisten Ausflüge auf den Titicacasee in Peru.
Obwohl ich ziemlich übermüdete um 4 Uhr morgens am Busterminal ankam, ließ ich mich gleich zu einem Ausflug überreden - nach einer heißen Dusche ging es dann auch direkt los.
So verbracht ich den Tag auf einem der weltweit höchstgelegenen Seen. Auf einer Höhe von 3810 Metern erstreckt sich die Wasserfläche über 194 Kilometer Länge und teilweise 80 Kilometer Breite. Außerdem teilt die Grenze zwischen Peru und Bolivien den Titicacasee.

Mit einem langsam tuckernden Boot ging es zunächst auf die Islas Uros -ja, es ist eine touristische Veranstaltung, aber nun, ich bin nun mal Touristin, und was ich dort gesehen habe übertraf alle Erwartung. Die Islas Uros ist ein Sammelbegriff für über 40 schwimmende Inseln auf dem See, einige der Inseln sind zusammengeschlossen und bieten neben einer Grundschule sogar ein Krankenhaus für die Bewohner, die mit kleinen Booten zwischen den einzelnen Inselchen hin- und herrudern. Ansonsten sind die Inseln winzig, um die 20 Personen wohnen auf diesen im Wasser treibenden Schilfskonstruktionen - ein extrem einfaches Leben. Jede Familie hat ein Schlafgebäude und eine Kochmöglichkeit. Alle Einnahmen, die zum Beispiel durch den Tourismus reinkommen, werden aufgeteilt und vom gewählten Oberhaupt einer jeden Insel verwalt. Lediglich das wenige Geld, dass die Familien direkt durch den Verkauf von Handwerksprodukten an die Besucher bekommen, ist eigener Besitz.
Die Inseln sind zwar stabil, dennoch wurde mir auf dem schwimmenden Schilf etwas mulmig und ich wundere mich noch jetzt über meinen Mut, dass ich die anschließende Fahrt auf einem der traditionellen Schilfboote mitmachte.
Der See ist an dieser Stelle nicht besonders tief, aber hat lediglich eine Temperatur von 10-12 Grad. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Temperaturen Nachts auf minus 12 Grad fallen kann man sich vorstellen, wie mühsam dieses Inselleben sein muss und welche Gefahren auf dem Land dieses Volk vor vielen Hunderten von Jahren dazu bewogen haben muss, auf das Wasser zu fliehen.

Unsere Fahrt ging dann weiter zur Isla Taquile, die größte peruanische Insel im Titicacasee. Nach einem steilen Aufstieg aß unsere Ausflugsgruppe dort zu Mittag, ein erstaunlich gutes Essen in einer sehr einfachen Umgebung.
Die Menschen auf dieser Insel leben immer noch ein sehr einfaches Leben, größtenteils noch an die uralten Inkatraditionen und den Inkaglauben gebunden. Auch hier gibt es gewählte Autoritäten, ihr Wort gilt, es gibt werde Polizei noch Justiz. Auch diese Inselbewohner leben fast sozialistisch, die Einkommen werden geteilt, Privatbesitz ist kaum vorhanden.
Die Haupteinnahmequelle der knapp 3000 Bewohner ist neben der Landwirtschaft die Töpferei, das Weben und Stricken und natürlich der Tourismus. Und trotz der vielen Touristen ist die Insel wunderschön!
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Den Abend verbrachte ich dann mit einem franco-kanadischem Paar, das kaum Englisch spricht, und einer Amerikanerin, ein lustiger Abend, der mich jedoch mehr an Tabu, rate das Wort, erinnerte, als an eine gepflegte Konversation.
Heute lasse ich es ruhig angehen und habe bis auf einen ausgedehnten Bummel durch Puno, der zur Folge hatte, dass ich ein Päckchen zu horrendem Preise nach Hause schicken musste, es bisher nur geschafft ein Busticket für die Weiterreise zu lösen - Morgen früh werde ich dann zur Copacabana, Bolivien, weiterreisen. Hier soll die schönste Insel des Titicacasees liegen, ich werde mal nachsehen ob das stimmt und euch dann davon berichten.

Schulalltag in Cusco

18. September 2009, Cusco

Drei Wochen Spanischunterricht in Cusco gehen jetzt zu Ende. Ob sich die Mühe gelohnt hat, müssen andere entscheiden, ich bin jedenfalls ganz zufrieden. Jeden Tag hatte ich mehrere Stunden Unterricht, danach musste ich natürlich lernen, der schöne Balkon vor meinem Zimmer wurde so zu meinem Studienplatz.
Der Unterricht fand entweder morgens oder nachmittags in Kleingruppen statt - dazu hatte ich die ersten beiden Wochen noch Einzelunterricht.
Didaktitk ist allerdings nicht zu finden, hauptsächlich bestand der Unterricht aus mündlicher Konversation, was aber in den kleinen Gruppen auch einiges brachte.
Nun, Lehrer sind bestimmt nervige Schüler - also habe ich versucht, mich zurück zu halten.
Natürlich gibt es eine Menge zu meckern über die Schule, besonders die Unterbringung, die Sanitärenanlagen und teilweise auch die Qualifikation der Lehrer lässt zu wünschen über.
Dennoch hatte ich hier eine großartige Zeit. Jeden Abend war ich mit anderen Spanischlernern in der Stadt unterwegs, gemeinsam gingen wir essen, tanzen oder auch einfach nur durch die schöne Altstadt spazieren.
Cusco bietet neben Kultur und dem fazinieren Mix aus prekolumbianischer und kolonialer Epoche auch jede Annehmlichkeit, die eine gutbesuchte Touristenstadt bieten sollte.
Also eine gute Mischung aus Lernen, Feiern, Kultur und Ausruhen.

Samstag werde ich nun weiter reisen, ein wenig wehmütig schaue ich dabei schon auf die letzten drei Wochen. Alles hier war wunderbar organisiert, sicher und stets traf ich auf nette Menschen, mit denen ich mich austauschen konnte. So ließen sich auch kleine Unannehmlichkeiten und die große Höhe, die mit Cocatee bekämpft wird, gut aushalten.
Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Reise nun weiter entwickelt. Als nächstes steht der Titicaca-See auf dem Programm und dann will ich einen Abstecher nach La Paz, Bolivien, machen, bevor ich nach Chile weiter reise.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

Durch die Hölle in den Himmel

14.September 2009

Letztes Wochenende stand Machu Picchu auf dem Programm. Die erst 1911 von Hiram Bingham entdeckte Inkastadt zählt zu den Höhepunkten einer Südamerikareise. Nun, um dorthin zu kommen muss man ungefähr 100 Kilometer überwinden… in den Anden ein echtes Problem. Gegen 8 Uhr machte ich mich mit 3 Mitschülerinnen und anderen Reisenden in einem Minibus auf. Die Fahrt ging zunächst gemütlich durch die Landschaft, dann aber wurde es… hoch. Der höchste Pass der Strecke ist auf 4200 Meter. Umgeben von Bergspitzen, Nebel und Gletschern ging wirklich schnell durch die Serpentinen.

Als ich aber schon dachte, schlimmer könnte es nicht werden… kam die Schotterpiste. Für 5 Stunden rumpelten wir über den ungeteerten Weg, vorbei an atemberaubenden Abgründen und knapp an den steilen Felsen des Valle Sagrado, dem heiligen Tal, vorbei. Saßen wir vorher noch mit zugezogenen Jacken, Mützen und Handschuhen im Bus, war uns, je tiefer wir ins Ollantaytambotal kamen, warm, wärmer… richtig warm. Am Wegesrand wuchsen nun Bananenstauden und Orchideen, kurz vorher waren wir noch über der Baumgrenze.
Zum Mittagessen hielten wir in Santa Teresa, ein Ort der nur für diesen Grund gemacht scheint...Touristen auf der Durchreise abzuspeisen.
In Hidroelectrica stiegen wir dann in den Zug um, nur schneller ging es nicht, nur etwas bequemer verbrachten wir die letzten 45 Minuten unser Reise, durch den Urwald bis nach Aguas Calientes, von mir Ugly Calientes getauft. In dem hässlichen Touristenort wurden wir wiederum mit halbwegs erträglichem Essen abgefertigt und nach einem schnellen Gute-Nacht-Bier lagen wir auch schon in unseren Betten.
Denn die Nacht war um 3.30 Uhr vorbei. Spätestens um 4 Uhr sollte man sich auf den Weg machen um den Machu Picchu zu bezwingen… oder eben um an der Bushaltestelle zu stehen.
Täglich besuchen bis zu 2500 Menschen diese in Nebel gehüllte Inka-Stadt, da muss man früh sein.
Wer sich jetzt fragt, ob ich zu Fuß die 8 Kilometer, Höhenunterschied 1000 Meter, gegangen bin, der kennt mich nicht, es gibt doch einen Bus!

Die Ruinen von Machu Picchu, alter Berg, sind aber alle Strapazen wert, welche man auch immer wählt... Richtig Verrückte nehmen den Inka-Trail, ein ständiges Rauf und Runter über 40 Kilometer. Die Wahnsinnigen wandern 4 lang auf den Spuren der Inka.
Für die Inka war der Himmel die Richtung zu Gott, dem Condor, deshalb gingen ihre Pfade auch stets über die Bergrücken nicht durch die Täler, ich finde aber Busse eine grosartige Erfindung.
Der Inka-Glaube spiegelt sich an allen Stellen in dieser alten Ruinenstadt wieder, überall finden sich Zeugnisse des Glaubens. Der Condortempel zeigt einen riesigen in Stein gehauene Vogel, auch der Puma, die Gottheit des Hier-und-Jetzt und die Schlange, Symbol für die Unterwelt, sind überall anzutreffen.
Dieses fantastischte Zeugniss einer untergegangenen Zivilisation beeindruckt neben seiner Lage besonders durch perfekte Bauwerke, genaue Stadtplanung und sein Mysterium.
Bis heute sind noch viele Fragen dieses sagenumwogenen Denkmals unbeantwortet.
Meine Frage war aber nur, wann und wie komme ich unter eine Dusche und in mein Bett? Nach einer ebenso heftigen Fahrt wie auf dem Hinweg schlummerte ich aber am Ende eines anstrengenden, aber wahnsinnig interessanten Wochenendes, zufrieden in meinem Zimmer ein.
Nun verbringe ich noch eine Woche in meiner Sprachschule, da ich herausgefunden habe, dass mein Spanisch noch nicht gut genug ist... bevor ich mich auf die Weiterreise begebe.
Mehr vom Machu Picchu

Inka-Wochenende in und um Cusco

Nachdem ich am Samstag mit einem lachenden und einem weinenden Auge "meine" Familie verlassen habe und in das "Guesthouse" der Schule gezogen bin, hier ist das Zimmer eben nicht so schön und ich teile mir das Bad mit einer Menge Leute, dafür bin ich zentral und hab immer jemanden zum quatschen, wurde es Zeit für meine ersten Erkundungen.
Am Samstag ging es nach Tipon, eine Inkaruine ungefähr 20 Kilonmeter von Cusco entfernt. Nachdem wir erfolgreich den Bus erwischt hatten und in Tipon angekommen waren, überkam Maireike und mich der jugendliche Leichtsinn und wir machten uns zu Fuß auf, die landwirtschaftliche Forschungsstation der Inkas zu erreichen... Nach ungefähr 3 Stunden steilstem Aufmarsch hatten wir es dann auch schon geschafft.
Fix und fertig erkundeten wir die Stätte, in der die Inka vermutlich mit dem Terrassenanbau in den Bergen experimentierten. Zum Glück konnten wir ein Taxi runter nehemen, aber der Tag war nach dieser Aktion gelaufen und endetet für mich mit einem netten Cusquena, das lokale Bier, und dem Fußballspiel Argentinien-Brasilien.
Die lokale Party, die auf dem Marktplatz stattfand, konnte mich nicht davon abhalten, wie ein Kleinkind zu schlafen.

Am Sonntag dann machte ich mich alleine auf nach Pisaq. Ein kleiner Ort, der ungefähr 30 Kilometer von Cusco entfernt liegt. Wieder nahm ich den Bus, die Fahrt kostet ungefähr 20 Cent und dauert eine Stunde - ich gehörte zu den Glücklichen mit Sitzplatz, obwohl die zusteigenden Bauern mir das ein oder andere Kleinkind und Planzen, Backsteine und ähnliches zeimlich nahe brachten.
Die Fahrt geht durch eine beeindruckende Landschaft, vorbei an 5770 Meter hohen, schneebedeckten Bergen.
Pisaq selbst ist ein kleines Dorf, das einen besonderen Charm durch eine Mischung aus inka-, spanisch- und alternativen Gruppierungen hat. Der Dorfmarkt ist riesig und bietet neben dem üblichen Mützen, Jacken, Decken und anderem Turistenzeug auch ein richtiges Wochenmarktgefühl.
Nach der Erfahrung vom Vortag war ich fest entschlossen, diesmal ein Sammeltaxi zu den Ruinen zu nehemen. Zum Glück hatte ein britisches Paar und ihr brasilanischer Freund den gleichen Plan und so machten wir uns zu viert auf.
Die Ruinenanlage ist beeindruckend, ein großer Ort breitete sich vor mir aus, mit mirlitärischen Anlagen, Terrassenfeldern, Sonnentempel und Behausungen der Dorfgemeinschaft, alles um eine große Bergspitze gebaut und den Jahrhunderten standhaltend.
Für die Inka ging es in der Wahl ihrer Wohnorte um drei wichtige Dinge: Wasser, Steine für ihre Bauten und den Stand der Gestirne.
Pisaq zeigt ein beeindruckendes Monument prekolumbinaischer Planungs- und Bauleistungen. Die Inkastadt liegt genau eine Tagesmarschreise von Cusco, dem Zentrum des Inkareiches entfernt, und beherbergte in seiner Blüte viele tausende Menschen.
Auf dem Weg zurück teilen meine Mitwanderer und ich uns ein Taxi nach Cusco, da die Busse völlig überfüllt waren und wir keine Lust hatten zu stehen. Auch hier zeigt sich wieder der große Preis-Leistungsunterschied - für die Strecke zahlte jeder von uns ungefähr 2€.

Aber natürlich musste ich nach dem Ausflug noch etwas mehr erleben, mir zitterten zwar die Beine, aber auf dem Weg zurück stieg ich 3 Kilometer vor Cusco aus. Mein Ziel: Saqsaywaman.
Cusco wurde von einem genialen Inkaherrscher in Form eines Panters geplant, einem heiligen Tier der Inka. Die Verteidigungsanlage Saqsaywaman stellt den Kopf des Raubtieres dar.
Gezackte Steinwände vermitteln den Eindruck von Zähnen und die exakt passenden Steinwände der Inkabaumeister beeindrucken auch hier.
Man hat einen unglaublichen Ausblick über die Stadt und die langsam einsetzende Dämmerung perfektionierte meinen Tagesausflug.
"Zuhause" angekommen traf ich auf eine Gruppe von Mitschülern, die zum Essen gingen, ein perfektes Timing.
Jetzt hocke ich hier auf der Terrasse der Schule und merke die Wanderungen der letzten beiden Tage - nun gehe ich zu Bett, denn die nächsten Tage werden wieder mit Spanischvokabeln bis zum Anschlag gefüllt sein.
Bis bald, hast luego
Inkawochenendbilder

Tengo mucho trabajo

Jetzt bin ich in einer der schönsten Städte Südamerikas und hatte noch nicht die Zeit mir etwas anzuschauen. Jeden Tag lerne ich 6 Stunden Spanisch und muss dann natürlich noch Hausaufgaben machen - ich weiß auch nicht, warum ich mir das antue, aber ich hoffe, dass es erfolgreich ist. Das Leben in der Gastfamilie hilft da natürlich sehr.
Meine Gastfamilie ist eigentlich eine Gastmutter. Alessia ist über 70 Jahre alt und wohnt mit zwei ihrer fünf Töchter und drei Enkelkindern in ihrem Haus, den Rest der Familie bekomme ich jedoch kaum zu Gesicht. Alessia sorgt dafür, dass ich morgens ein vernünftiges Frühstück bekomme und bekocht mich abends. Normalerweise ist in Peru das Mittagessen die Hauptmahlzeit, doch ich bin den ganzen Tag in der Schule, da es sich nicht lohnt Mittags zurück zu kommen. Das ist auch der Grund, warum ich am Samstag in das Gästehaus der Schule umziehe, dort fehlt mir dann zwar der direkte Kontakt zu den Einheimischen, aber ich kann sozusagen in den Klassenraum fallen und es ist wahnsinnig zentral. Jetzt komme ich um 19.30 Uhr nach Hause, esse etwas und setzte mich an den Tisch um zu lernen, das ist zwar sehr effektiv, aber auf Dauer etwas langweilig.

Die Höhe hier ist tatsächlich nicht zu unterschätzen. Eine Mitschülerin musste wegen Höhenkrankheit schon in ärztliche Behandlung, zum Glück geht es ihr wieder besser, doch sie hat immer Sauerstoff dabei. Die Höhe macht sich in Form von Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und sogar Bewusstlosigkeit bemerkbar. Dabei rast das Herz und schon die kleinste Anstrengung ist zuviel - also bleibt einem nichts andres übrig, als es langsam angehen zu lassen. Im Normalfall gewöhnt man sich in den ersten Tagen daran und es wird langsam besser - ich halte mich da eben auch an die Peruaner und bin gemütlich unterwegs.

Wobei die Busfahrten nicht wirklich als “gemütlich” bezeichnet werden können. Zwischen Menschen eingequetscht und in eine große Abgaswolke gehüllt rast man in einem Secondhand-Bulli aus Fern-Ost über die Straße, dabei ruft der “Schaffner” ununterbrochen die nächste Station aus und man muss sich lautstark bemerkbar machen, wenn man aussteigen will. Der “Schaffner” kassiert den lächerlich geringen Fahrtpreis, für meine 20 Minutenfahrt sind es knapp 20 Cent, und hängt, wenn es richtig voll wird auch schon mal außen an der Tür. Schon mal über einen Jobwechsel nachgedacht?
Hier in Peru scheint mir neben dem “Selbstmord-Bus-Schaffner” auch der Schuhputzer oder der Messerschleifer eine erstrebenswerte Alternative.

Doch Spaß beiseite, wenn mir in Lima bereits die großen sozialen Unterschiede aufgefallen sind, so sind sie hier kaum zu übersehen, überall betteln kleine Kinder, versuchen Frauen ihre Handarbeiten zu verkaufen oder bieten Männer Kunsthandwerk (made in China) an. Heute konnte ich im Bus eine unangenehme Situation beobachten: Eine junge, moderne Frau stieg mit ihrem (?) Baby, das in eine traditionell gefertigte Decke gewickelt war, in den Bus und legte das Kind einer alten Indiofrau in den Schoß. Es gab zwischen den beiden kein Gespräch oder so, das darauf schließen ließe, es handle sich um Großmutter und Mutter. Die junge Frau stieg an der nächsten Haltestelle aus, die Alte mit dem Baby mit mir am Touristenplatz, wo sie sich dann zum betteln niederließ. Kleine Kinder erhöhen die Chance auf eine Spende und wie ich hörte gibt es fast so etwas wie einen “Markt” für süße oder (makaber und unmenschlich) kranke oder behinderte Kinder. Ich will mir über diese Zustände gar kein Urteil erlauben, viele Peruaner kommen aus den Anden in die großen Städte und haben hier kaum die Möglichkeit, anders am Leben zu bleiben. Doch es zeigt sich wieder deutlich, dass eine Spende in diese Hände fast nie einen gutem Zweck dient. Um so wichtiger und bemerkenswerter ist es, dass viele der Sprachschülerinnen sich im Anschluss an den Spanischkurs für freiwillige soziale Arbeit gemeldet haben.
Habe ich geschrieben, ich bekäme von der Familie nicht so viel mit? Es ist jetzt 22.45Uhr und seid einer guten Stunde versucht der 16jährige Enkel verzweifelt einige Red Hot Chilli Peppers Stücke auf der Gitarre nachzuspielen - für uns beide wünsche ich mir sehr, dass er es bald schafft… oder aufgibt!